Job
Chapter 9
Clementine Vulgate, 1598
vs Lutherbibel 1912
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Job 9

Clementine Vulgate, 1598
Lutherbibel 1912
1Et respondens Job, ait:
1Hiob antwortete und sprach:
2[Vere scio quod ita sit, et quod non justificetur homo compositus Deo.
2Ja, ich weiß gar wohl, daß es also ist und daß ein Mensch nicht recht behalten mag gegen Gott.
3Si voluerit contendere cum eo, non poterit ei respondere unum pro mille.
3Hat er Lust, mit ihm zu hadern, so kann er ihm auf tausend nicht eins antworten.
4Sapiens corde est, et fortis robore: quis restitit ei, et pacem habuit?
4Er ist weise und mächtig; wem ist's je gelungen, der sich wider ihn gelegt hat?
5Qui transtulit montes, et nescierunt hi quos subvertit in furore suo.
5Er versetzt Berge, ehe sie es innewerden, die er in seinem Zorn umkehrt.
6Qui commovet terram de loco suo, et columnæ ejus concutiuntur.
6Er bewegt die Erde aus ihrem Ort, daß ihre Pfeiler zittern.
7Qui præcipit soli, et non oritur, et stellas claudit quasi sub signaculo.
7Er spricht zur Sonne, so geht sie nicht auf, und versiegelt die Sterne.
8Qui extendit cælos solus, et graditur super fluctus maris.
8Er breitet den Himmel aus allein und geht auf den Wogen des Meeres.
9Qui facit Arcturum et Oriona, et Hyadas et interiora austri.
9Er macht den Wagen am Himmel und Orion und die Plejaden und die Sterne gegen Mittag.
10Qui facit magna, et incomprehensibilia, et mirabilia, quorum non est numerus.
10Er tut große Dinge, die nicht zu erforschen sind, und Wunder, deren keine Zahl ist.
11Si venerit ad me, non videbo eum; si abierit, non intelligam.
11Siehe, er geht an mir vorüber, ehe ich's gewahr werde, und wandelt vorbei, ehe ich's merke.
12Si repente interroget, quis respondebit ei? vel quis dicere potest: Cur ita facis?
12Siehe, wenn er hinreißt, wer will ihm wehren? Wer will zu ihm sagen: Was machst du?
13Deus, cujus iræ nemo resistere potest, et sub quo curvantur qui portant orbem.
13Er ist Gott; seinen Zorn kann niemand stillen; unter ihn mußten sich beugen die Helfer Rahabs.
14Quantus ergo sum ego, ut respondeam ei, et loquar verbis meis cum eo?
14Wie sollte ich denn ihm antworten und Worte finden gegen ihn?
15qui etiam si habuero quippiam justum, non respondebo: sed meum judicem deprecabor.
15Wenn ich auch recht habe, kann ich ihm dennoch nicht antworten, sondern ich müßte um mein Recht flehen.
16Et cum invocantem exaudierit me, non credo quod audierit vocem meam.
16Wenn ich ihn schon anrufe, und er mir antwortet, so glaube ich doch nicht, daß er meine Stimme höre.
17In turbine enim conteret me, et multiplicabit vulnera mea, etiam sine causa.
17Denn er fährt über mich mit Ungestüm und macht mir Wunden viel ohne Ursache.
18Non concedit requiescere spiritum meum, et implet me amaritudinibus.
18Er läßt meinen Geist sich nicht erquicken, sondern macht mich voll Betrübnis.
19Si fortitudo quæritur, robustissimus est; si æquitas judicii, nemo audet pro me testimonium dicere.
19Will man Macht, so ist er zu mächtig; will man Recht, wer will mein Zeuge sein?
20Si justificare me voluero, os meum condemnabit me; si innocentem ostendero, pravum me comprobabit.
20Sage ich, daß ich gerecht bin, so verdammt er mich doch; bin ich Unschuldig, so macht er mich doch zu Unrecht.
21Etiam si simplex fuero, hoc ipsum ignorabit anima mea, et tædebit me vitæ meæ.
21Ich bin unschuldig! ich frage nicht nach meiner Seele, begehre keines Lebens mehr.
22Unum est quod locutus sum: et innocentem et impium ipse consumit.
22Es ist eins, darum sage ich: Er bringt um beide, den Frommen und den Gottlosen.
23Si flagellat, occidat semel, et non de pœnis innocentum rideat.
23Wenn er anhebt zu geißeln, so dringt er alsbald zum Tod und spottet der Anfechtung der Unschuldigen.
24Terra data est in manus impii; vultum judicum ejus operit. Quod si non ille est, quis ergo est?
24Das Land aber wird gegeben unter die Hand der Gottlosen, und der Richter Antlitz verhüllt er. Ist's nicht also, wer anders sollte es tun?
25Dies mei velociores fuerunt cursore; fugerunt, et non viderunt bonum.
25Meine Tage sind schneller gewesen denn ein Läufer; sie sind geflohen und haben nichts Gutes erlebt.
26Pertransierunt quasi naves poma portantes; sicut aquila volans ad escam.
26Sie sind dahingefahren wie die Rohrschiffe, wie ein Adler fliegt zur Speise.
27Cum dixero: Nequaquam ita loquar: commuto faciem meam, et dolore torqueor.
27Wenn ich gedenke: Ich will meiner Klage vergessen und meine Gebärde lassen fahren und mich erquicken,
28Verebar omnia opera mea, sciens quod non parceres delinquenti.
28so fürchte ich alle meine Schmerzen, weil ich weiß, daß du mich nicht unschuldig sein lässest.
29Si autem et sic impius sum, quare frustra laboravi?
29Ich muß ja doch ein Gottloser sein; warum mühe ich mich denn so vergeblich?
30Si lotus fuero quasi aquis nivis, et fulserint velut mundissimæ manus meæ,
30Wenn ich mich gleich mit Schneewasser wüsche und reinigte mein Hände mit Lauge,
31tamen sordibus intinges me, et abominabuntur me vestimenta mea.
31so wirst du mich doch tauchen in Kot, und so werden mir meine Kleider greulich anstehen.
32Neque enim viro qui similis mei est, respondebo; nec qui mecum in judicio ex æquo possit audiri.
32Denn er ist nicht meinesgleichen, dem ich antworten könnte, daß wir vor Gericht miteinander kämen.
33Non est qui utrumque valeat arguere, et ponere manum suam in ambobus.
33Es ist zwischen uns kein Schiedsmann, der seine Hand auf uns beide lege.
34Auferat a me virgam suam, et pavor ejus non me terreat.
34Er nehme von mir seine Rute und lasse seinen Schrecken von mir,
35Loquar, et non timebo eum; neque enim possum metuens respondere.]
35daß ich möge reden und mich nicht vor ihm fürchten dürfe; denn ich weiß, daß ich kein solcher bin.

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