Lucam 18
Clementine Vulgate, 1598Translation
Clementine Vulgate, 1598
Lutherbibel 1912
1Dicebat autem et parabolam ad illos, quoniam oportet semper orare et non deficere,
1Er sagte ihnen aber ein Gleichnis davon, daß man allezeit beten und nicht laß werden solle,
2dicens: Judex quidam erat in quadam civitate, qui Deum non timebat, et hominem non reverebatur.
2und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen.
3Vidua autem quædam erat in civitate illa, et veniebat ad eum, dicens: Vindica me de adversario meo.
3Es war aber eine Witwe in dieser Stadt, die kam zu ihm und sprach: Rette mich von meinem Widersacher!
4Et nolebat per multum tempus. Post hæc autem dixit intra se: Etsi Deum non timeo, nec hominem revereor:
4Und er wollte lange nicht. Darnach aber dachte er bei sich selbst: Ob ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue,
5tamen quia molesta est mihi hæc vidua, vindicabo illam, ne in novissimo veniens sugillet me.
5dieweil aber mir diese Witwe so viel Mühe macht, will ich sie retten, auf daß sie nicht zuletzt komme und betäube mich.
6Ait autem Dominus: Audite quid judex iniquitatis dicit:
6Da sprach der HERR: Höret hier, was der ungerechte Richter sagt!
7Deus autem non faciet vindictam electorum suorum clamantium ad se die ac nocte, et patientiam habebit in illis?
7Sollte aber Gott nicht auch retten seine Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er's mit ihnen verziehen?
8Dico vobis quia cito faciet vindictam illorum. Verumtamen Filius hominis veniens, putas, inveniet fidem in terra?
8Ich sage euch: Er wird sie erretten in einer Kürze. Doch wenn des Menschen Sohn kommen wird, meinst du, daß er auch werde Glauben finden auf Erden?
9Dixit autem et ad quosdam qui in se confidebant tamquam justi, et aspernabantur ceteros, parabolam istam:
9Er sagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären, und verachteten die andern, ein solch Gleichnis:
10Duo homines ascenderunt in templum ut orarent: unus pharisæus et alter publicanus.
10Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, zu beten, einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.
11Pharisæus stans, hæc apud se orabat: Deus, gratias ago tibi, quia non sum sicut ceteri hominum: raptores, injusti, adulteri, velut etiam hic publicanus:
11Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner.
12jejuno bis in sabbato, decimas do omnium quæ possideo.
12Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich habe.
13Et publicanus a longe stans, nolebat nec oculos ad cælum levare: sed percutiebat pectus suum, dicens: Deus propitius esto mihi peccatori.
13Und der Zöllner stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!
14Dico vobis, descendit hic justificatus in domum suam ab illo: quia omnis qui se exaltat, humiliabitur, et qui se humiliat, exaltabitur.
14Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertigt in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.
15Afferebant autem ad illum et infantes, ut eos tangeret. Quod cum viderent discipuli, increpabant illos.
15Sie brachten auch junge Kindlein zu ihm, daß er sie anrühren sollte. Da es aber die Jünger sahen, bedrohten sie die.
16Jesus autem convocans illos, dixit: Sinite pueros venire ad me, et nolite vetare eos: talium est enim regnum Dei.
16Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes.
17Amen dico vobis, quicumque non acceperit regnum Dei sicut puer, non intrabit in illud.
17Wahrlich ich sage euch: Wer nicht das Reich Gottes annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.
18Et interrogavit eum quidam princeps, dicens: Magister bone, quid faciens vitam æternam possidebo?
18Und es fragte ihn ein Oberster und sprach: Guter Meister, was muß ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe?
19Dixit autem ei Jesus: Quid me dicis bonum? nemo bonus nisi solus Deus.
19Jesus aber sprach zu ihm: Was heißest du mich gut? Niemand ist gut denn der einige Gott.
20Mandata nosti: non occides; non mœchaberis; non furtum facies; non falsum testimonium dices; honora patrem tuum et matrem.
20Du weißt die Gebote wohl: “Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.”
21Qui ait: Hæc omnia custodivi a juventute mea.
21Er aber sprach: Das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf.
22Quo audito, Jesus ait ei: Adhuc unum tibi deest: omnia quæcumque habes vende, et da pauperibus, et habebis thesaurum in cælo: et veni, sequere me.
22Da Jesus das hörte, sprach er zu ihm: Es fehlt dir noch eins. Verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach!
23His ille auditis, contristatus est: quia dives erat valde.
23Da er aber das hörte, ward er traurig; denn er war sehr reich.
24Videns autem Jesus illum tristem factum, dixit: Quam difficile, qui pecunias habent, in regnum Dei intrabunt !
24Da aber Jesus sah, daß er traurig war geworden, sprach er: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen!
25facilius est enim camelum per foramen acus transire quam divitem intrare in regnum Dei.
25Es ist leichter, daß ein Kamel gehe durch ein Nadelöhr, denn daß ein Reicher in das Reich Gottes komme.
26Et dixerunt qui audiebant: Et quis potest salvus fieri?
26Da sprachen, die das hörten: Wer kann denn selig werden?
27Ait illis: Quæ impossibilia sunt apud homines, possibilia sunt apud Deum.
27Er aber sprach: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.
28Ait autem Petrus: Ecce nos dimisimus omnia et secuti sumus te.
28Da sprach Petrus: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.
29Qui dixit eis: Amen dico vobis, nemo est qui reliquit domum, aut parentes, aut fratres, aut uxorem, aut filios propter regnum Dei,
29Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich ich sage euch: Es ist niemand, der ein Haus verläßt oder Eltern oder Brüder oder Weib oder Kinder um des Reiches Gottes willen,
30et non recipiat multo plura in hoc tempore, et in sæculo venturo vitam æternam.
30der es nicht vielfältig wieder empfange in dieser Zeit, und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.
31Assumpsit autem Jesus duodecim, et ait illis: Ecce ascendimus Jerosolymam, et consummabuntur omnia quæ scripta sunt per prophetas de Filio hominis:
31Er nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn.
32tradetur enim gentibus, et illudetur, et flagellabitur, et conspuetur:
32Denn er wird überantwortet werden den Heiden; und er wird verspottet und geschmähet und verspeiet werden,
33et postquam flagellaverint, occident eum, et tertia die resurget.
33und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er wieder auferstehen.
34Et ipsi nihil horum intellexerunt, et erat verbum istud absconditum ab eis, et non intelligebant quæ dicebantur.
34Sie aber verstanden der keines, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was das Gesagte war.
35Factum est autem, cum appropinquaret Jericho, cæcus quidam sedebat secus viam, mendicans.
35Es geschah aber, da er nahe an Jericho kam, saß ein Blinder am Wege und bettelte.
36Et cum audiret turbam prætereuntem, interrogabat quid hoc esset.
36Da er aber hörte das Volk, das hindurchging, forschte er, was das wäre.
37Dixerunt autem ei quod Jesus Nazarenus transiret.
37Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber.
38Et clamavit, dicens: Jesu, fili David, miserere mei.
38Und er rief und sprach: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich mein!
39Et qui præibant, increpabant eum ut taceret. Ipse vero multo magis clamabat: Fili David, miserere mei.
39Die aber vornean gingen, bedrohten ihn, er sollte schweigen. Er aber schrie viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich mein!
40Stans autem Jesus jussit illum adduci ad se. Et cum appropinquasset, interrogavit illum,
40Jesus aber stand still und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe zu ihm brachten, fragte er ihn
41dicens: Quid tibi vis faciam? At ille dixit: Domine, ut videam.
41und sprach: Was willst du, daß ich dir tun soll? Er sprach: HERR, daß ich sehen möge.
42Et Jesus dixit illi: Respice, fides tua te salvum fecit.
42Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! dein Glaube hat dir geholfen.
43Et confestim vidit, et sequebatur illum magnificans Deum. Et omnis plebs ut vidit, dedit laudem Deo.
43Und alsobald ward er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das solches sah, lobte Gott.
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